Lifestyle

Plastikfrei Leben – Teil II

Der zweite Teil meiner Entwicklung ins Leben ohne Plastik!

Nachdem im ersten Teil sehr viel Theoretisches angesprochen wurde, widme ich mich jetzt gerne mehr dem Praktischen!

Veränderungen – man muss keine Angst davor haben

Seitdem wir möglichst unverpackt einkaufen, haben wir in der Tat einen anderen Kühlschrankinhalt. Der ist halt jetzt viel gesünder und durchdacht. Verschimmeln tut so gut wie nichts mehr, weil man nicht einfach sinnlos alles in seinen Einkaufswagen schmeißt ohne groß Nachzudenken, ob man das braucht/will/isst.
Dani hat sich an der einen oder anderen Ecke zwar aufgrund seiner LowCarb-Diät wieder umstellen müssen, aber is(s)t mittlerweile wieder ganz zufrieden. Man muss sich halt einfach drauf einlassen und nach Alternativen suchen. Und dann sind es halt übergangsweise wieder Nudeln oder Reis, bis man etwas gefunden hat, das einem die Pute oder verpackte Soja-Fertiggerichte ersetzt.

Aber so eine große Wissenschaft, wie immer alle meinen, ist es halt einfach nicht.
Wir mussten uns insgesamt circa fünf Stunden informieren und ausprobieren. Und das war einfach nur mega interessant durch die verschiedenen Supermärkte zu laufen und zu schauen, wo man was bekommt. Neues auszuprobieren tut nicht weh – versprochen ;)!

Unverpackt und Bio ist doch viel teurer oder?

Am aller interessantesten ist für die meisten, aber folgendes: Preis und Zeit.
Ich glaube wirklich jeder, dem ich vom plastikfreien Leben erzählt habe, war total erstaunt und meinte: wie zum Teufel kannst du dir das leisten? Und wo nimmst du die ganze Zeit dafür?
Also die Zeit nehme ich mir von der Zeiteinsparung beim Einkaufen und Selbermachen.
Und das Geld. Naja, es ist halt so, dass ich weniger ausgebe! Ich schmeiß nichtmehr wirklich was weg, also wandert mein Geld nichtmehr in den Müll. Und wenn man viel Gemüse etc. isst, bezahlt man später an der Kasse auch weniger, als wenn doch wieder dies und das in den Einkaufswagen gewandert ist. Sprich, wenn jemand meint er bräuchte mehr Geld für Lebensmittel ohne Plastik, stimmt‘s halt einfach nicht. Also Dani und ich probieren es ja jetzt echt schon ein paar Wochen aus, somit denke ich, dass die Einschätzung schon ganz passend ist.
Nachdem im ersten Teil der Großteil der Lebensmittel geklärt wurde, möchte ich noch auf ein paar Details eingehen.

Spezialwünsche – wo bekomme ich Feta, Tofu und das wichtigste: Gummibärchen!?

Das tollste an der Bewegung verpackungsfrei zu leben ist, dass sie wächst. Und damit ist auch verbunden so gut wie alles zu bekommen, was man möchte.
In Nürnberg haben wir den Luxus einen Unverpackt-Laden zu haben. Zero-Hero heißt er und er hat einfach alles! Dort bekommt man Tofu, Mozzarella, Gummibärchen und Shampoo.

Einkaufen im Zero Hero Nürnberg

Was ich außerdem auch wirklich wichtig finde, sind sowas wie gemahlene Mandeln oder andere Nüsse. Die gibt’s selbst in den Naturkostläden irgendwie nur in Plastiktüten…
Also alle die in ihrer Stadt diesen Luxus haben – nutzt ihn!
Achja: und dort kann man übrigens auch ohne große Vorbereitung hingehen. Es gibt auch eine Kunde-zu-Kunde-Ablage. Dort sind Gläser, die vom Container gerettet wurden, gereinigt bereitgestellt, sodass man auch ohne passende Dosen kommen kann!
Oder ihr kauft vor Ort passende Behälter, aus Alu oder Glas, das geht natürlich auch!
Der Naturkostladen Ebl in Gostenhof, ein nahgelegener Stadtteil von Nürnberg, hat unteranderem auch eine Unverpackt-Station. Wenn man also wirklich die Motivation hat etwas zu ändern, gibt es bestimmt eine Möglichkeit plastikfrei zu leben!
Auf dem Land ist es ein wenig schwieriger. Allerdings gibt es dort viele regionale Bauern, wodurch der Kauf von unverpacktem Obst und Gemüse stark erleichtert wird!

Lebensmittel okay, aber Waschmittel und Reiniger?!

Sehr wichtig und ich bin unglaublich erstaunt gewesen. Ich dachte, es wäre unmöglich. Aber dann kommt einem ein Gedanke: Menschen haben schon geputzt bevor es Plastik und Supermärkte hab. Und, dass in den 50ern alle gestunken haben und faulige Zähne hatten – daran kann ich mich nicht erinnern, dass mir das meine Oma mal erzählt hätte.
Und das ist der springende Punkt: man geht zurück zu Omas Traditionsmitteln.
Wir machen jetzt selbst Waschmittel, Badreiniger und Peeling.

Waschmittel

Haltet Euch fest, das wird euch nämlich sonst umhauen. Ich verspreche euch, ihr spart Geld (sau viel Geld) und Zeit (sau viel Zeit). Und wer länger braucht, der macht was falsch oder ist sehr liebevoll in der Zusammenstellung.
Zum Teil könnt ihr nämlich für 0 Cent waschen. Ja genau für nichts, außer die Strom- und Wasserkosten, die eine Waschmaschine halt braucht.
Verrückt aber wahr – man kann mit Efeu und Kastanien waschen!
Efeu gibt es fast das ganze Jahr, Kastanien sind saisonal, dafür gibt’s die dann aber zu Hauf und man kann sie klasse lagern.
Das Geheimnis der Kastanien sind die Saponine, die waschen Eure Wäsche rein und sauber.

Für das Waschmittel braucht ihr eine Handvoll Kastanien und heißes Wasser.
Die Kastanien werden zerkleinert (z.B. im Mixer) und getrocknet. So werden sie haltbar gemacht und schimmeln nicht. Die kleingemachten Kastanien werden mit heißem Wasser (300 ml) aufgegossen und 24 Stunden stehen gelassen. Die Lauge, ohne die Kastanien, in das Hauptwaschmittelfach geben und ganz normal waschen!

Mit Efeu funktioniert das genauso.
Der einzige Nachteil ist, dass dieses Waschmittel nicht so lange haltbar ist.

Ein Vollwaschmittel zum Vorbereiten, kann man aus ganz normaler Kernseife herstellen.
Kernseife gibt es so gut wie überall und ist echt günstig! Man sollte nur darauf achten, dass die Seife ohne EDTA ist (TIPP: nicht auf Amazon kaufen! Die kostet da ungefähr das 10 fache, wie im Laden!) 100 g Kernseife kaufe ich für circa 0,80 €.
Für 4 Liter Waschmittel braucht man 50 Gramm Seifenflocken (aufgeriebene Kernseife), was also rund 40 Cent gibt. Dazu kommt noch Waschsoda (8 EL) was schätzungsweise 20 Cent sind. Und für einen Waschgang braucht man 200 ml Waschmittel.
Wenn wir sehr großzügig rechnen, kostet 4 Liter Waschmittel also 0,80-1,00 €, sprich pro Liter 0,25 Cent was pro Waschgang 5 Cent macht. Wenn man dies mit normalen Waschmitteln vergleicht, zahlt man ungefähr ein Viertel oder noch weniger!
Das Waschmittel ist außerdem so schnell hergestellt, dass sich das Schuhe anziehen für den Supermarkt nicht mal lohnt.

Für Seide oder so, solltet ihr allerdings auf das Waschsoda verzichten!
All diese Rezepte und Co. Habe ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht, sondern aus verschiedenen Blogs (z.B. besser-leben-ohne-plastik) im Internet!

Mein Tipp für Feinwäsche und Seide: Waschnüsse*! Wenn ich sie benutze, gebe ich noch etwas Duft* aus der grünen Drogerie dazu, dann riecht die Wäsche noch etwas frischer!

Reiniger

Badreiniger, Scheuermilch und Spüli… Das kaufen wir meist ganz automatisch im Supermarkt. Allerdings ist da das System das gleiche wie beim Waschmittel: Günstiger, schnell und einfach zubereitet!
Für einen Badreiniger für gerade einmal 25 Cent braucht ihr folgendes:

500 ml Wasser, 3 EL Essigessenz, 2 EL Zitronensäure und 1 EL Spüli. Das Ganze wird gemischt und fertig!
Gar nicht so schwer oder?
Falls ihr keinen Laden in der Nähe habt, der die Komponenten ohne Plastik verkauft, könnt ihr diese auch im Internet (z.B. Sauerkasten.com) bestellen! Es gibt mittlerweile schon viele Online-Stores, die z.B. Natron oder Zitronensäure in Papierverpackung versendet!

Fazit zum zweiten Teil

Ich hatte selten so viel Freude beim Waschen und Putzen. Ich bin großer Fan von Do-It-Yourself und ich empfinde es als willkommene Abwechslung etwas mit meinen Händen machen zu dürfen. Man sitzt so viel am Schreibtisch, hört sich Vorlesungen an und ist kopfmäßig oft ziemlich überfordert und körperlich unterfordert. Ich finde es super angenehm mich mal 10 Minuten hinzusetzen und zwei Kernseifen zu raspeln, nebenbei einen Podcast oder Musik zu hören und mal nicht denken zu müssen.

Wenn man Zeit für Einkaufen im Supermarkt hat, hat man definitiv auch Zeit die Reiniger selbst zu machen. Und das beste Argument ist immer noch: GELD! Und wie ihr seht, spart man an vielen Ecken wirklich enorm und kann es sich somit auch wirklich leisten, Alternativen zumindest mal eine Chance zu geben!

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